Bei der Medaillenherstellung stehen sich zwei grundsätzlich verschiedene Verfahren gegenüber: der Zinkdruckguss und die Prägung. Beide liefern eine Metallmedaille, aber sie unterscheiden sich in Kostenstruktur, Detailtiefe und Einsatzgebiet erheblich. Wir arbeiten mit beiden Verfahren und erklären hier, wann welches die richtige Wahl ist – inklusive der Fälle, in denen Prägen die bessere Option ist. Eine Übersicht über Werkstoffe finden Sie unter Medaillen-Materialien.

Die Verfahren im Überblick

Beim Zinkdruckguss wird flüssige Zinklegierung bei etwa 385 °C in eine Stahlform gepresst. Unsere Kaltkammeranlagen arbeiten mit 88 Tonnen Schließkraft. Das Relief entsteht direkt in der Form.

Beim Prägen wird ein Metallrohling (meist Messing oder Kupfer-Nickel) zwischen zwei Stempel gelegt und unter hohem Druck verformt. Es entsteht kein Guss, sondern eine Umformung.

KriteriumZinkdruckgussPrägen
AusgangsmaterialZinklegierung Zamak 3/5/7Messing, Kupfer-Nickel, Aluminium
Werkzeugkostenniedrig bis mittelhoch
Werkzeuglebensdauersehr hochmittel (Stempel verschleißen)
Detailtiefesehr hochhoch, aber flacher
Reliefhöheab 0,4 mm gut darstellbarmeist unter 0,5 mm
Mindeststückzahl sinnvoll100500–1.000
Haptikleicht, kühlschwer, wertiger
Preis bei 500 Stückniedrigmittel bis hoch
Preis bei 10.000 Stückmittelniedrig bis mittel
Farbegalvanisch, sehr variabelmaterialbedingt, patinierbar

Werkzeugkosten: der entscheidende Unterschied

Der wichtigste Unterschied liegt in der Amortisation.

StückzahlZinkguss (relativ)Prägen (relativ)
100wirtschaftlichunwirtschaftlich
500wirtschaftlichgrenzwertig
1.000wirtschaftlichwirtschaftlich
5.000wirtschaftlichsehr wirtschaftlich
10.000wirtschaftlichgünstigster Weg

Beim Prägen sind die Stempel teurer und verschleißen. Das rechnet sich erst bei größeren Auflagen. Beim Zinkguss ist das Werkzeug günstiger und haltbarer, dafür ist der Stückpreis bei sehr großen Auflagen höher als beim Prägen.

Für Medaillen ist die typische Auflage 100 bis 2.000 Stück. In diesem Bereich ist der Zinkguss fast immer die wirtschaftlichere Wahl.

Detailtiefe und Relief

Hier hat der Zinkguss einen klaren Vorteil. Weil flüssiges Metall in eine Form fließt, lassen sich Reliefs mit mehreren Millimetern Höhe erzeugen. Das gibt Medaillen ihre typische Plastizität.

Beim Prägen entsteht das Relief durch Materialverdrängung. Die maximale Reliefhöhe ist durch die Materialdicke begrenzt und liegt meist unter 0,5 mm. Für flache Motive reicht das; für stark plastische Wappen nicht.

MotivtypZinkgussPrägen
Wappen mit mehreren Feldernsehr guteingeschränkt
Figur im Reliefsehr gutgut
Feine Schriftsehr gutsehr gut
Geometrische Mustersehr gutsehr gut
Flache Wortmarkegutsehr gut
Fotorealistischmachbarnicht möglich

Haptik und Gewicht

Prägemedaillen aus Messing fühlen sich schwerer und wertiger an. Das liegt an der Dichte: Messing liegt bei etwa 8,5 g/cm³, Zinklegierung bei etwa 6,6 g/cm³. Bei gleicher Größe ist eine Messingmedaille rund 30 Prozent schwerer.

Für Ehrungen, bei denen die Haptik zählt – Firmenjubiläen, Preisverleihungen, Auszeichnungen mit Übergabezeremonie – ist das ein Argument. Für Sportmedaillen ist es irrelevant, weil die Medaille am Band hängt und das Gewicht nur belastet.

Oberfläche und Farbe

Beide Verfahren lassen sich galvanisch beschichten. Der Unterschied liegt in der Oberflächenbeschaffenheit:

  • Zinkguss: durch das Werkzeug vorgeprägte Textur, sehr gleichmäßig
  • Prägen: Oberfläche wird durch den Stempel verdichtet, kann poliert oder mattiert werden

Ein Vorteil der Prägung: Die verdichtete Oberfläche ist härter und kratzfester. Ein Vorteil des Zinkgusses: Die Farbwahl ist breiter, weil die Oberfläche für Emaile und Lacke optimiert werden kann.

Bei Antik-Finish hat der Zinkguss den Vorteil, dass Vertiefungen stärker ausfallen und das Relief deutlicher hervortritt.

Wann Prägen die bessere Wahl ist

Prägen lohnt sich in diesen Fällen:

  1. Sehr große Auflagen ab etwa 5.000 Stück, bei denen der Stückpreis zählt
  2. Haptik ist entscheidend – Firmenjubiläen mit hohem Anspruch
  3. Flache Motive – eine Wortmarke oder ein einfaches Emblem
  4. Metallfarbe ohne Galvanik gewünscht – Messing kann naturbelassen bleiben
  5. Langfristige Wiederverwendung – ein Stempel kann über Jahre genutzt werden
  6. Sammlerstücke – geprägte Stücke haben bei Sammlern einen anderen Ruf

Wann Zinkguss die bessere Wahl ist

Zinkguss lohnt sich in diesen Fällen:

  1. Auflagen von 100 bis 2.000 Stück – der Normalfall bei Medaillen
  2. Starkes Relief gewünscht – Wappen, Figuren, plastische Motive
  3. Mehrfarbige Emaile – Zinkguss ist für Emaile optimiert
  4. Kurze Lieferzeit – Werkzeug schneller verfügbar
  5. Viele Varianten – unterschiedliche Größen aus derselben Formfamilie
  6. Freiformen – unregelmäßige Umrisse sind im Guss einfacher

Ein Rechenbeispiel bei 1.000 Stück

PositionZinkgussPrägen
Werkzeug180 Euro900 Euro
Stückpreis1,10 Euro1,35 Euro
Fertigung1.100 Euro1.350 Euro
Veredelung200 Euro180 Euro
Gesamt1.480 Euro2.430 Euro
pro Stück1,48 Euro2,43 Euro

Bei 1.000 Stück liegt der Zinkguss deutlich vorn. Bei 10.000 Stück würde sich das Bild verschieben, weil der Stempelaufwand sich verteilt – aber 10.000 Medaillen sind für die meisten Anlässe unrealistisch.

Häufige Fragen

Was ist besser: Zinkguss oder Prägen? Für Medaillen in üblichen Auflagen ist der Zinkguss fast immer die wirtschaftlichere und flexiblere Wahl. Prägen lohnt sich bei sehr großen Auflagen oder wenn Haptik und Metallfarbe entscheidend sind.

Ist eine geprägte Medaille wertiger? Sie fühlt sich schwerer an und hat einen anderen Ruf bei Sammlern. Ob das den Mehrpreis rechtfertigt, hängt vom Anlass ab.

Kann ich ein starkes Relief prägen lassen? Nur eingeschränkt. Die Reliefhöhe ist materialbedingt begrenzt. Für starke Plastizität ist der Guss das richtige Verfahren.

Warum ist Prägen bei kleinen Auflagen so teuer? Weil die Stempel teurer sind und sich auf wenige Teile verteilen.

Kann eine Zinkgussmedaille genauso aussehen wie eine geprägte? Optisch ja, haptisch nicht. Das Gewicht verrät den Unterschied.

Welches Verfahren hat die kürzere Lieferzeit? Der Zinkguss. Das Werkzeug ist schneller verfügbar, und der Ablauf ist bei uns etabliert.

Sie sind unsicher, welches Verfahren zu Ihrem Motiv passt? Schicken Sie uns Ihre Vorlage über die Kontaktseite — wir prüfen sie kostenlos und empfehlen das passende Verfahren. Designvorschlag und Angebot binnen 24 Stunden. Wie der Ablauf aussieht, erklärt Medaillen-Herstellung.