Der häufigste Reklamationsgrund bei Medaillen ist nicht das Motiv, sondern die Oberfläche: Sie läuft an, wird fleckig oder verliert nach einigen Monaten den Glanz. In fast allen Fällen liegt die Ursache in der Galvanik – genauer gesagt in einer übersprungenen Vorstufe. Wir fahren neun Bäder in fester Reihenfolge und erklären hier, warum keines davon weggelassen werden kann. Einen Überblick über den gesamten Ablauf gibt Medaillen-Herstellung.
Die neun Schritte im Überblick
| # | Schritt | Dauer | Zweck |
|---|---|---|---|
| 1 | Entfetten (alkalisch) | 3–5 min | Öle und Trennmittel entfernen |
| 2 | Ultraschallreinigung | 2–3 min | Restverschmutzung in Vertiefungen lösen |
| 3 | Beizen / Aktivieren | 30–60 s | Oxidhaut abtragen, Haftung schaffen |
| 4 | Alkalische Verkupferung | 500 s | Haftschicht aufbauen |
| 5 | Saure Verkupferung | 20–60 min | Schichtdicke aufbauen, Glanz erzeugen |
| 6 | Farbbad (Gold, Silber, Bronze) | 60–180 s | Endfarbe erzeugen |
| 7 | Wässern und Passivieren | 2–3 min | Elektrolytreste neutralisieren |
| 8 | Trocknung | 40 min bei 100 °C | Restfeuchte entfernen |
| 9 | Versiegelung (Klarlack) | 10–20 min | Oxidationsschutz |
Die gesamte Kette dauert pro Charge mehrere Stunden. Bei kleinen Stücken wie Medaillen laufen 500 bis 800 Stück gleichzeitig durch die Trommel.
Warum zwei Verkupferungsschritte?
Das ist die Frage, die uns am häufigsten gestellt wird. Warum nicht direkt in das Farbbad?
Der Grund ist elektrochemisch. Zinklegierung ist unedel und bildet an Luft sofort eine Oxidhaut. Würde man direkt vergolden, haftet die Goldschicht nur mechanisch und blättert ab. Deshalb kommt zuerst eine alkalische Verkupferung – sie arbeitet mit einem cyanidischen Elektrolyten, der die Oxidhaut durchdringt und eine chemisch gebundene Haftschicht erzeugt.
500 Sekunden sind dabei kein Richtwert, sondern ein Fenster. Bei 300 Sekunden ist die Schicht zu dünn, bei 700 Sekunden beginnt sie zu verbrennen und wird rau.
Der zweite Schritt ist die saure Verkupferung. Sie arbeitet mit einem Sulfatelektrolyten und baut in 20 bis 60 Minuten die eigentliche Schichtdicke auf. Erst diese Schicht macht die Oberfläche glatt genug für ein gleichmäßiges Farbbad.
Ohne diese Kombination wäre eine Medaille nach drei Monaten fleckig. Genau das ist das typische Bild bei Anbietern, die den ersten Schritt einsparen.
Das Farbbad: 60 bis 180 Sekunden entscheiden
Die Endfarbe entsteht in einem kurzen Fenster. Gold, Silber und Bronze liegen bei 60 bis 180 Sekunden, abhängig von der gewünschten Farbtiefe.
| Finish | Elektrolyt | Dauer | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| Gold hell | Gold-Zitronensäure | 60–90 s | heller, kühler Ton |
| Gold klassisch | Gold-Zitronensäure | 120–180 s | warmer, satter Ton |
| Silber | Silber-Zyanid | 60–120 s | neutral bis leicht bläulich |
| Antiksilber | Silber + Tauchbad | 90–150 s | dunkle Vertiefungen |
| Bronze | Kupfer-Zinn | 90–150 s | rotbraun, warm |
| Zwei-Ton | zwei Bäder + Maskierung | doppelt | Gold mit Silberrelief |
Der Unterschied zwischen „Gold hell” und „Gold klassisch” ist vielen Kunden nicht bewusst. Wenn Sie eine bestimmte Farbnuance brauchen, senden Sie ein Muster oder nennen Sie einen Pantone-Code für den Metallton. Wir treffen ihn im Erstmuster.
Trocknung: 100 °C über 40 Minuten
Nach dem Farbbad wird gespült und passiviert. Die Passivierung neutralisiert Elektrolytreste in den Poren – ohne sie würde Salz zurückbleiben und die Oberfläche später angreifen.
Die Trocknung läuft im Tunnelofen bei 100 °C über 40 Minuten. Kürzer geht nicht, weil Restfeuchte in den Vertiefungen sonst eingeschlossen wird. Bei Medaillen mit Emaileinlage ist dieser Schritt doppelt wichtig: Die Emaile wird dabei halb ausgehärtet, bevor sie den zweiten Brand bekommt.
Versiegelung: der letzte Schutz
Der Klarlack ist keine Kosmetik, sondern eine Diffusionssperre. Er verhindert, dass Feuchtigkeit und Schwefelverbindungen aus der Luft an das Metall gelangen. Besonders relevant ist das für Silber, das in Gegenwart von Schwefelwasserstoff dunkel anläuft.
| Umgebung | Empfehlung |
|---|---|
| Innenraum, trocken | Standardversiegelung |
| Vitrine, Schaufenster | Standardversiegelung |
| Sportveranstaltung, Handkontakt | verstärkte Versiegelung |
| Außenbereich, Feuchtigkeit | verstärkte Versiegelung + Zwischenlagerung in Beutel |
| Medaille wird regelmäßig getragen | verstärkte Versiegelung, Nachversiegelung nach Jahren |
Die Versiegelung schützt nicht gegen mechanische Kratzer. Eine Medaille, die an einer Kette getragen wird, bekommt Kratzer – das ist bei jedem Metall so. Aber sie bleibt farbecht, statt fleckig zu werden.
Wie Sie die Galvanik prüfen können
Drei einfache Prüfungen, die Sie selbst machen können, wenn eine Lieferung ankommt:
- Sichtprüfung unter schrägem Licht. Gleichmäßiger Glanz, keine matten Stellen. Matte Stellen deuten auf zu dünne Schicht.
- Wischtest. Mit einem weißen Tuch über die Fläche wischen. Ein dunkler Abrieb deutet auf unzureichende Passivierung.
- Kantenprüfung. Die Ränder sind die kritische Zone. Blättert dort die Schicht ab, war die Haftschicht zu dünn.
Wir führen diese Prüfungen in drei Kontrollstufen durch: nach dem Guss, nach der Veredelung und vor der Verpackung. Jede Charge wird fotografisch dokumentiert.
Was Galvanik kostet und was nicht
Die Galvanik ist kein Preistreiber, aber auch kein Sparfeld. Der Anteil am Stückpreis liegt bei 12 bis 18 Prozent. Wer hier zehn Prozent einspart, riskiert die gesamte Oberfläche.
Woran Sie nicht sparen sollten:
- die alkalische Verkupferung (Schritt 4)
- die Passivierung (Schritt 7)
- die Trocknungszeit (Schritt 8)
Woran Sie sparen können:
- auf Zwei-Ton-Finish verzichten
- auf Antik-Finish verzichten
- kleinere Medaille wählen (weniger Oberfläche pro Stück)
Häufige Fragen
Warum laufen billige Medaillen an? Weil die alkalische Verkupferung oder die Passivierung fehlt. Dann kann Feuchtigkeit durch die Deckschicht diffundieren und das Zink angreifen.
Wie lange hält die Vergoldung? Bei normaler Innenraumnutzung viele Jahre. Bei regelmäßigem Handkontakt und fehlender Nachversiegelung zeigen sich nach zwei bis drei Jahren erste Glanzverluste.
Kann eine angelaufene Medaille aufpoliert werden? Leichtes Anlaufen lässt sich mit einem Silberputztuch entfernen. Ist die Deckschicht durchgerieben, hilft nur eine neue Galvanik – wirtschaftlich meist nicht sinnvoll.
Ist die Galvanik umweltbelastend? Wir arbeiten mit geschlossenen Kreisläufen und Abwasseraufbereitung und sind BSCI-zertifiziert. Die Zertifikate stellen wir auf Anfrage bereit.
Kann ich die Farbnuance vorher sehen? Ja. Beim Erstmuster liefern wir die gewünschte Nuance. Auf Wunsch schicken wir vorab Farbmusterplättchen.
Warum ist Silber teurer als Gold? In der Regel nicht. Der Preisunterschied hängt vom verwendeten Elektrolyten und der Schichtdicke ab, nicht von der Farbe. Fragen Sie die Position im Angebot ab.
Sie haben Fragen zur Oberfläche oder brauchen ein bestimmtes Finish? Schreiben Sie uns über die Kontaktseite — wir liefern binnen 24 Stunden Designvorschlag und Angebot, kostenlos. Details zu Werkstoffen finden Sie unter Medaillen-Materialien.



